www.tiergeschichten.euTiergeschichten - Der Hl. Wolfgang und der Teufel
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Der Hl. Wolfgang und der Teufel

Wolfgangsee
Der Wolfgangsee - von Wäldern umgeben ...
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Es ist schon ein Weilchen her, dass sich der Heilige Bischof Wolfgang am Abersee aufgehalten hat, um den Streitigkeiten der weltlichen und geistlichen Mächte in der bayerischen Heimat zu entziehen. Und so lebte er unerkannt als Einsiedler von 982 bis 987 am Falkenstein. Sehr bescheiden in Stille, Einsamkeit und in das Gebet vertieft. Mit der Zeit wurde sein Wunsch, eine Kirche zu bauen, immer stärker. Aber wo sollte sie stehen? Und er beschloss, dass Gott es entscheiden sollte. Nach einem innigen Gebet, in dem der heilige Mann Gott seine Ansichten und Wünsche vortrug, ging er zu einem Felsvorsprung und schleuderte sein Beil in die Tiefe. Dort, wo er es finden würde, wollte er die Kirche bauen. Als er das Beil nach längerem Suchen im tiefen unwegsamen Gelände gefunden hatte, musste er feststellen, dass es für ihn, wo er doch mit seinem Vorhaben alleine war, unmöglich ist, eine Kirche dort zu bauen. Und er wurde verzagt, denn er wollte sein Versprechen, das er Gott gegeben hatte, doch unbedingt erfüllen. Und so dachte er: „Wie soll ich hier eine Kirche bauen? Gott hat mir zwar diesen Platz angewiesen, aber wie soll ich all das Baumaterial hierher bringen? Das ist für mich alleine nicht möglich. Sicher gibt es eine Lösung, aber welche?“ Und der fromme Mann ging verzagt nach Hause. Doch er wurde schon, ohne es zu bemerken, die ganze Zeit vom Teufel beobachtet. „Er ist verzagt und weiß nicht, wie er eine kleine Kirche bauen soll. Zuerst große Versprechungen und im Werk nachhinken, aber so sind sie die Heiligen. Da muss ich wohl ein bisschen helfen. Aber was könnte ich dafür verlangen? Ach, ich weiß schon, ich will die erste Seele, die in die Kirche kommt. Das ärgert ihn und mich freut es. Ihm tut die arme Seele leid und ich habe eine mehr. Das ist eine großartige Idee von mir. Aber gut, ich bin ja sowieso großartig!“, dachte der Teufel vergnügt, während er langsam dem frommen Mann folgte. Zu Hause angekommen, dachte der Bischof: „Das hat mich alles sehr erschöpft, ich muss mich etwas ausruhen.“ Und er legte sich hin und im Einschlafen betete er: „Gott zeig mir den Weg und die Menschen, die mir dabei helfen.“ „Ha, er betet, dass im Menschen helfen sollen, so ein Blödsinn. Was sollen die ihm helfen, die arbeiten doch nicht für Gottes Lohn, dazu sind die viel zu gierig. Wenn ein Mensch für sich keinen Vorteil sieht, tut er auch nichts“, dachte der Teufel und er setzte sich ins Gras und lehnte sich an einen Baumstamm und wartete, bis dass der fromme Mann aufwachte, was geraume Zeit in Anspruch nahm. Allmählich wurde der Teufel ungeduldig und dachte: „Von dem bisschen Beil schleudern und Beil suchen kann man doch nicht so müde werden und ewig schlafen, die Menschen halten schon überhaupt nichts aus.“
 
Am späten Nachmittag trat der fromme Mann wieder vor seine Tür. „Na, endlich“, dachte der Teufel und rief dem frommen Mann zu: „Na, habt ihr ausgeschlafen?“ Der fromme Mann erschrak über diesen Zuruf, schaute zum Teufel hinüber, der in seiner vollen Größe und pechschwarz wie er nun mal war, dort saß und den frommen Mann mit seinen glutroten Augen anschaute, und antwortete: „Danke der Nachfrage, Herr Teufel, der Vormittag war doch sehr erschöpfend“ und er dachte: „Wenn der Teufel zu mir kommt, dann verspricht er sich einen Vorteil. Aber was will der von mir?“ „Ich habe euch bei eurer Beilaktion zugesehen, damit habt ihr euch ganz schön übernommen. Euer Versprechen könnt ihr alleine nicht erfüllen, außer ich helfe euch. Wie findet ihr meinen Vorschlag?“, fragte der Teufel. „Ich kann euch aber nicht entlohnen“, meinte der fromme Mann vorsichtig. „Über den Lohn werden wir uns schon einig“, antwortete der Teufel, stand auf und ging zum frommen Mann: „Wir können mit dem Kirchlein-Bau gleich beginnen, wenn ich möchtet.“ „Ist es für dieses Vorhaben nicht schon zu spät, sollten wir nicht morgen früh damit beginnen“, frage der fromme Mann. „Aber nein, das ist doch schnell gebaut. Bis das es Nacht wird, ist das Kirchlein längst fertig“, sagte der Teufel und winkte ab. „Gut, dann gehen wir zu der Stelle, wo ich das Beil gefunden habe“, antwortete der fromme Mann. Der Teufel nickte und sie gingen los. Als sie gemeinsam durch den dichten, unwegsamen Wald gingen, sagte der Teufel: „Ich wüsste schon, mit was ihr mich entlohnen könnt.“ „Mit was denn?“, fragte der fromme Mann vorsichtig. „Mir gehört die erste Seele, die in das Kirchlein geht“, meinte der Teufel. „Dachte ich es mir doch, dass der Teufel in diese Richtung einen Wunsch hat. In dieser menschenleeren Gegend wird doch bestimmt kein Mensch als erstes in das Kirchlein gehen“, dachte der fromme Mann und antwortete: „Gut, so sei es. Wenn du mir so fleißig hilfst, soll dir die erste Seele gehören, die in das Kirchlein geht.“ Der Teufel nickte zufrieden.
 
Als sie die unwegsame Stelle erreicht hatten, an der das Kirchlein stehen sollte, machte sich der Teufel gleich ans Werk. In Windeseile holte er aus allen Himmelsrichtungen das Baumaterial und als die Sonne unterging, war das Kirchlein fertig. Der fromme Mann betrachtete es. „Das Kirchlein ist dir ja wunderbar gelungen. Sehr hübsch“, sagte der fromme Mann zufrieden und am liebsten wäre er gleich in das Kirchlein gegangen, um alles zu betrachten. Aber er hütete sich, das zu tun, denn dann wäre er ja die erste Seele gewesen, die das Kirchlein betreten würde. So setzte er sich ein paar Meter weit weg vom Kirchlein in die Wiese. Der Teufel setzte sich neben ihn und sagte: „So, jetzt will ich meinen Lohn.“ „Den bekommst du nun ganz gewiss“, sagte der fromme Mann und betete insgeheim zu Gott, dass kein Mensch das Kirchlein betreten sollte. Je später es wurde, desto ungeduldiger wurde der Teufel und er sagte: „Hast du irgend etwas gebetet, dass keiner kommt?“ Der fromme Mann antwortete nicht, denn er wollte den Teufel nicht reizen. In diesem Moment raschelte es und ein junger Wolf lief schnurstracks aus dem Wald zum Kirchlein und lief hinein. Der Teufel sprang auf und brüllte den frommen Mann an: „Du hast mich reingelegt!“ Aber der fromme Mann sagte: „Du hast gesagt, die erste Seele“ und er ging vorsichtshalber weiter weg vom Teufel, der tobte: „Da meinte ich doch keine Tierseele. Was soll ich denn mit der? Natürlich meinte ich eine Menschenseele“ schrie der Teufel und stampfte auf, dass die Erde erbebte. „Da hast du dich nicht deutlich genug ausgedrückt“, meine der fromme Mann. „Ach, jetzt bin ich schuld. Du drehst dir das, wie du es willst. Eine Menschenseele steht mir als Lohn zu und wenn ich sie nicht kriege, weil du mich um sie betrogen hast, dann hole ich sie mir später“, brüllte der Teufel. Er schnappte den jungen Wolf am Genick, der gerade an ihm vorbeilief und rannte wütend mit ihm in den Wald. Nach einer Weile blieb er stehen und dachte: „Was soll ich mit dem Wolf?“ und ließ ihn los, der gleich darauf in dem Wald verschwand. Nun stampfte er mit seinem Huf auf die Erde, die sich auftat und er sprang hinein und fuhr zur Hölle.
 
Am Hölleneingang leuchtete ihm das orange-rote Licht entgegen und er ging hinein. Er ging durch die sich dahin windenden Gänge, die wie in einem Fuchsbau ineinander verliefen und so ein riesiges Labyrinth ergaben. Die Gänge waren minenähnlich und doch nicht. Überall lag Geröll, was den Teufel aber bei seiner Größe nicht störte. Er stieg einfach darüber. Links und rechts in den Wänden waren Kammern in den Stein geschlagen, die alle mit schweren Eichentüren verschlossen waren. Als der Teufel so durch die Gänge stampfte, dachte er: „Das ist mir jetzt ein Blödsinn passiert, schufte für den heiligen Mann und da bringt er mich um meinen Lohn. Aber den Lohn hole ich mir. Aber bei den Heiligen muss man da immer aufpassen, wie man formuliert“ und er brüllte vor Wut, dass es widerhallte und auch die letzte Kammertür zuflog, was der Teufel sah und brüllte: „Ja, schließt die Türen, wenn ich einen von euch armen Seelen am Gang sehe, zerreiße ich sie in der Luft.“ Es herrschte Totenstille. Nach einer Weile kam der Teufel zu einer riesigen Höhle, er ging hinein, ohne die Dämonen zu beachten, die an den großen Tafeln standen, die an den Höllenwänden hingen und in unglaublicher Geschwindigkeit Zahlen aufschrieben und wieder löschten. Der Teufel ging zu seinem Schreibtisch, der aus Ebenholz war, und setzte sich in den massiven Lehnstuhl. Er starrte vor sich hin, dann fragte er: „Was gibt es Neues von der Spielerwelt?“ Ein Dämon wandte sich sogleich um und ging zum Teufel hin. Er war groß, anthrazitfarben, hatte rote Augen und einen mächtigen Schädel mit Hörnern und sagte: „Es kommen täglich neue Spieler hinzu, die uns alle sicher sind.“ „Das ist gut, wenigstens etwas Erfreuliches. Aber die gehören mir sowieso. Ich habe ja auch noch die Blutverträge, diese Seelen gehören mir auch ganz sicher!“, sagte der Teufel. „Gewiss, gewiss“, sagte der Dämon und wandte sich wieder seiner Arbeit zu. „Was rege ich mich so auf. Ich muss nur abwarten, ich habe alle Zeit der Welt. Zeit spielt für mich keine Rolle. Kommt Zeit, kommt Rat“, dachte der Teufel und er lachte, dass die ganze Hölle widerhallte …
 
Heute! Peter schläft in seinem großen französischen Bett. Es ist 7 Uhr und es läutet der Wecker, der auf dem Nachtkästchen steht. „Nein, ich habe vergessen, den Wecker auszuschalten“, dachte Peter schlaftrunken, als er sich unter seiner roten Satinbettdecke zum Nachtkästchen streckte, um den Wecker abzuschalten. „Gleich an meinem ersten Urlaubstag passiert mir das“, dachte Peter. Er setzte sich auf und schaute aus dem Fenster, das gekippt war. Der Store wehte leicht im Wind und eine Amsel sang auf dem Giebel des Nachbarhauses. „Hey, nicht so laut, Herr Amsel. Nach der langen Nacht und den vielen Drinks mache ich besser das Fenster zu“, dachte Peter. Er stand auf, ging zum Fenster und schloss es. Die Amsel ließ sich dadurch aber nicht stören und sang weiter. Peter ging in die Küche und nahm sich eine Flasche Tomatensaft aus dem Kühlschrank. Er trank ein paar Schlucke aus der Flasche, stellte sie auf den Küchentisch, ging in das Schlafzimmer zurück und dachte: „Eigentlich habe ich mir ja vorgenommen, wieder mit dem Laufen anzufangen. Das mit dem langen Schlafen hat heute ja eh nicht funktioniert. Also kann ich gleich Laufen gehen“, dachte Peter und suchte nach seiner Laufkleidung im Kasten. „Da ist sie ja“, dachte Peter und er zog seinen grauen Laufanzug an. Dann kramte er seine Pulsuhr hervor und stellte sie ein, was etwas Zeit in Anspruch nahm. „Ein Cappuccino und zwei Aspirin wären auch nicht schlecht, bevor ich mit dem Abplagen beginne“, dachte Peter. Er ging zurück in die Küche und schaltete seinen neuen Designer-Kaffeevollautomaten ein. „Kämmen und rasieren müsste ich mich eigentlich auch, bevor ich mich unter meine Mitmenschen mische. Wer weiß, was für eine hübsche Lady mir begegnet“, überlegte Peter. Er ging ins Bad und kam gekämmt, rasiert und nach Rasierwasser duftet, zurück in die Küche. Gerade rechtzeitig um seinen Cappuccino zu genießen. Peter trank ihn im Stehen aus und nahm zwei Aspirin. Dann ging er auf den Flur, zog seine Laufschuhe an, die seit einem Jahr dort standen, und verließ die Wohnung. Er lief das Treppenhaus hinunter, sperrte die Haustüre auf und ging auf die Straße. „Wo soll ich überhaupt laufen? Ach, ich laufe den Waldweg beim Falkenstein, der ist für den Anfang genau das richtige“, dachte Peter und er lief los …
 
… 7 Uhr an einem anderen Ort. Der Teufel saß bei seinem Schreibtisch und ihm war langweilig. Er trommelte mit seinen Fingern auf den Schreibtisch und schaute zu, wie die Wettzahlen der Welt auf den Tafeln aufgeschrieben und wieder weggewischt wurden. „Gibt es interessante Neuigkeiten?“, fragte er. Sofort wandte ein Dämon ihm zu und antwortete: „Nein, es gibt keine Neuigkeiten“. Der Teufel sagte: „Nichts tut sich, was könnte mich denn ein wenig amüsieren? Ach ja, mir steht doch noch eine Seele zu, um die mich der fromme Mann betrogen hat. Die könnte ich mir doch heute holen. Es spricht doch nichts dagegen. Der fromme Mann ist ja längst gestorben und schwebt in höheren himmlischen Sphären. Der kommt mir nicht mehr in die Quere.“ „Das ist eine ausgezeichnete Idee, diese Seele ist schon längst überfällig“, antwortete ihm ein Dämon. „Haben wir Platz in einer Kammer für das verlorene Seelchen?“, fragte der Teufel lachend. „Es ist Platz“, sagte der Dämon. Der Teufel stand auf und als er durch die riesigen Gänge ging, verwandelte er sich in einen sehr elegant gekleideten gut aussehenden Herrn. Er fuhr aus der Hölle und war sogleich an der Stelle, wo er einst das Kirchlein für den frommen Mann gebaut hatte. „Hier schaut es ja inzwischen ganz anders aus. Alles so gepflegt. Es gibt überhaupt keinen Urwald mehr“, sagte der Teufel. „Wolf und Bär sind ausgerottet“, sagte ein Dämon, der ihm gefolgt war. „So, so, sind sie das?“, antwortete der Teufel. „Das Kirchlein gibt es auch nicht mehr“, stellte der Teufel fest und warf einen verächtlichen Blick auf den Platz, wo das Kirchlein einmal stand. „Ich sehe mir die Gegend an, es hat sich alles sehr verändert, seitdem ich hier war“, sagte der Teufel und er marschierte los, bis er auf einen der vielen Wanderwege kam. „Die Menschen haben Wege angelegt. Na ja, zu Fuß waren sie ja schon immer etwas behindert. Sie fallen ja gleich hin und haben Blasen auf ihren zarten Füßchen“, sagte lachend der Teufel. „Die Menschen laufen hier auch gerne, habe ich gehört“, sagte der Dämon. „Sie laufen, wozu soll denn das gut sein?“ antwortete der Teufel überrascht. „Sie laufen, um sich körperlich zu ertüchtigen“, sagte der Dämon. Der Teufel lachte und sagte: „Wie will sich ein Mensch ertüchtigen? Die werden doch nie kräftig. Wenn sie bei mir in der Hölle nur ein bisschen was arbeiten sollen, sind sie gleich erschöpft und können nicht mehr.“ „Durch ein paar Schläge werden sie dann aber gleich wieder fit“, antwortete der Dämon. „Da lass uns hier auf eine sportliche Seele warten. Ich bin neugierig, was die für eine Seelenreife hat?“, sagte der Teufel und schlenderte den Wanderweg entlang …
 
… „Das Laufen ist ganz schön anstrengend“, dachte Peter als er am ersten Wanderweg angelangt war. „Ich laufe zu schnell, ich muss langsamer laufen, sonst halte ich meine eigene Vorgabe nicht durch“, dachte Peter und schaute immer wieder auf seine Pulsuhr. Er lief immer tiefer in den Wald, die Vöglein sangen in den hohen Baumkronen und die Kühle des Waldes empfand Peter als sehr angenehm. „Da vorne kommt ein Läufer“, flüsterte der Dämon dem Teufel zu und wurde unsichtbar. „Ich sehe ihn“, antwortete der Teufel. Er ging zu der Bank, die in ein paar Meter am Wegrand stand und setzte sich. „Was ist denn das für ein elegant gekleideter Mann. Der passt hier ja gar nicht her“, dachte Peter als er den Herrn auf der Bank sitzen sah. Als er in seine Nähe kam, rief Peter: „Hey, du bist wohl von einer Party übrig geblieben?“ Der Teufel antwortete: „Ja, das war eine Big Party im Ort, da ist es sehr spät oder besser gesagt, früh geworden“, sagte der Teufel. Peter blieb stehen, denn der fremde elegante Herr interessierte ihn. Er fragte: „Sind sie hier auf Urlaub?“ „Ich bin gestern vormittags angereist und bleibe für vierzehn Tage“, antwortete der Teufel. „Gleich für vierzehn Tage“, wiederholte Peter und dachte: „Wow, der muss Geld haben, so lange Urlaub hier zu buchen.“ „Ich wohne in einem der neuen Hotels. Ich hoffe, ich kann hier entspannen und Spaß haben“, sagte der Teufel. „Das könnt ihr hier ganz bestimmt erleben“ antwortete Peter und er war sehr beeindruckt. Er setzte sich zu dem eleganten Herrn auf die Bank. „Komm nur“, dachte der Teufel und musterte Peter von der Seite. „Hier wird einem alles geboten, nach was einem der Sinn steht, es kommt nur auf das Portemonnaie an“, sagte Peter. „Geld spielt bei mir keine Rolle“, sagte der Teufel blasiert und schaute Peter dabei an und dachte: „Jetzt ist er beeindruckt, nun fehlen ihm die Worte, der Satz zieht bei allen Menschlein, alles käuflich“, dachte der Teufel verächtlich. Da ertönten aus der Ferne die Kirchenglocken. „Sehr gut, das Gebimmel kann ich gleich zum Einhacken verwenden, ob er der richtige für mich ist“, dachte der Teufel und er fragte: „Die Frühmesse beginnt, geht ihr in die Messe?“ Peter lachte, winkte ab und sagte: „Aber nein, ich war das letzte Mal in einer Messe als ich gefirmt wurde. Gleich als ich volljährig war, bin ich ausgetreten. Die Kirche ist reich genug. Das Geld gebe ich lieber für mich selber aus, habe es ja auch selber verdient“, sagte Peter. Der Teufel lachte auf und seine Augen funkelten vor Freude und rief: „Recht hast du“ und fragte weiter: „Kannst du ein Gebet?“ Als Kind hat meine Großmutter jeden Abend vor dem Schlafengehen mit mir gebetet“, sagte Peter. „Kannst du noch dieses Gebet?“, fragte der Teufel. Peter überlegte ein Weilchen und sprach: „’Ich bin klein, mein Herz ist rein, lass deine Augen über meinem Bettchen sein’, oder so ähnlich, ich weiß es nicht mehr.“ „Das ist ja ein Kindergebet! Ein anderes Gebet kannst du nicht?“, fragte der Teufel weiter. „Ich habe keine Ahnung von irgendwelchen Gebeten“, antwortete Peter. „Beten ist nicht wichtig und eine reine Zeitverschwendung“, sagte der Teufel. Peter nickte. „Sich in der freien Natur zu bewegen, ist mir viel lieber“, erklärte Peter. „Um sich zu ertüchtigen“, sagte der Teufel. „Genau! Denn einen Gott als Person gibt es nicht. Die positive Energie ist überall, auch da, wo wir jetzt sind. Das alles von Gott und Teufel hat die Kirche nur so dargestellt, damit sich die Leute fürchten und die Kirche somit alles im Griff hat“, sagte Peter. „Aha, den Teufel gibt es nicht“, sagte der Teufel. Peter lachte und rief: „Den Teufel gibt es ganz bestimmt nicht, auch keine Hölle, Himmel oder Jüngstes Gericht. Denn wie soll eine positive Energie, die überall ist, über etwas richten? Das ist alles Blödsinn, was da verzapft wird! Jetzt muss man leben, Spaß haben, an seine Grenzen gehen und nichts auslassen!“, sagte Peter und schaute hoch in die Baumkronen. Der Teufel war über Peters Worte momentan sprachlos und dachte: „Der Kerl hat sich gerade um sein Seelenheil geredet, der gehört mir. Aber kann ich einen solchen ahnungslosen Trottel überhaupt gebrauchen? Na ja, irgendeine niedrige Tätigkeit wird sich schon für ihn finden. Der sitzt neben dem Teufel und sagt, es gibt mich nicht. Der spürt auch überhaupt nichts, der ist total verblödet. Wenn ich da an früher denke, die Menschlein, die ich aufgesucht habe, haben da noch bedeutet mehr mitbekommen, was das betrifft.“
 
„So, jetzt muss ich weiter“, sagte Peter und stand auf, atmete tief durch und sagte zu dem eleganten Herrn: „Es hat mich gefreut, sie kennen zu lernen, vielleicht laufen wir uns ja während ihres Aufenthaltes hier noch einmal über den Weg.“ „Ach, ganz bestimmt sehen wir uns wieder“, sagte der Teufel. Peter wandte sich ab und ging den Weg weiter. „Wollen wir den wirklich?“, fragte der Teufel den Dämon, der die ganze Zeit unsichtbar neben ihm am Boden gesessen hatte. Dieser wurde sichtbar und antwortete gierig: „Oh ja, den wollen wir, der ist so herrlich einfältig und ein leichtes williges Opfer“. „Meinetwegen“, sagte der Teufel leicht gelangweilt. Er stand auf und lief Peter nach. Der Teufel schnappte ihn beim Genick. Im selben Moment erschrak sich Peter zu Tode und sein Herz blieb stehen. Sein seelenloser Körper fiel zu Boden und der Teufel griff nach der schwachen verlorenen Seele und machte sich sofort mit ihr auf den Heimweg. Dabei schrie der Teufel: „Siehst du das frommer Mann, jetzt ist dein Versprechen eingelöst, mich betrügt man auf Dauer nicht. Ich fahre mit der mir versprochenen Seele zur Hölle. Bis zum Jüngsten Tag gehört sie mir.“
 
Peter wusste gar nicht, wie ihm geschah. In einem rasenden Tempo war er mit zwei derart hässlichen Wesen unterwegs, die brüllend mit ihm durch ein nicht endendes Grau flogen. Immer wieder sah Peter dunkelgraue Schatten stöhnend vor ihnen fliehen, die im grenzenlosen Grau verschwanden, bis ihm irgendwann ein orange-rotes Licht entgegenleuchtete. „Was ist das?“, dachte Peter. Aber bevor er den Satz zu Ende gedacht hatte, war er schon von dem orange-roten Licht umgeben und wurde einen Gang, wo überall Geröll lag, geschliffen. Peter sah die vielen Kammern, die links und rechts in den Stein geschlagen waren. Dort und da waren die schweren Eichentüren offen. „Da ist die Kammer für unser neues Seelchen“, sagte der Dämon, blieb stehen und zeigte mit seinen Krallenfingern auf eine der Kammern. „Sehr gut, dass du schon eine Kammer vorbereitet hast“, sagte der Teufel zufrieden und warf Peter mit Schwung in die Kammer, wo er auf den Boden zur Steinmauer fiel. Der Dämon schloss die schwere Eichentür und verriegelte sie. Peter hörte, wie der Teufel und der Dämon lachend und scherzend weggingen.
 
Peter lag lange am Boden. Er konnte keinen klaren Gedanken fassen. Er schaute sich um. Der Raum war eine eckenlose Höhle. Rechts von ihm stand eine schwarz gestrichene einfache Holzbank aus Brettern ohne Lehne. Peter stand auf und setzte sich auf die Bank. Diese wackelte als so ganze und quietschte leise. Alles war in dieses orange-rote Licht getaucht. Peter saß lange in seiner Kammer und horchte angespannt, ob er am Gang etwas hörte. Ein Dämon ging an seiner Kammer stampfend und schnaubend vorbei. Da hörte Peter, dass eine Kammer aufgesperrt und bald darauf eine jammernde Seele am Gang entlang geschliffen wurde. Dabei schlug der Dämon an die Eichentür von Peters Kammer und brüllte: „Ich hole dich gleich, du faules Seelchen, hast dich genug ausgeruht, ab jetzt wird gearbeitet.“ Peter erschrak zutiefst in seiner Seele. Kurz darauf öffnete sich die Tür und ein riesiger pechschwarzer Dämon mit roten Augen zerrte Peter an einem Bein aus der Kammer und schliff in über den Gang bis sie zu einer großen Höhle kamen. Der Dämon zog Peter beim Genick hoch und hielt ihn einem anderen Dämon vor das Gesicht und sagte: „Das ist die versprochene Seele, die der Teufel erst geholt hat. Er will, dass du sie hier in der Küche einteilst. Ich sage gleich dazu: Das Seelchen kann nichts.“ „Schon wieder einer, der nichts weiß und nichts kann. Na, auf einen Trottel mehr oder weniger kommt es auch schon nicht mehr an“, antwortete der Dämon und nahm Peter beim Genick und schaute ihn an: „Der Chef möchte dann einen Bericht, wie die Seele sich so macht“, sagte der Dämon, der Peter gebracht hatte und wandte sich zum Gehen.“ „Geht in Ordnung“, antwortete der Dämon und trug Peter in die Mitte der riesigen Küche und stellte ihn bei einem Trog ab. „Abwaschen wirst du wohl noch können“, sagte der Dämon und zeigte auf den Stapel von Steinschüsseln. „Los, fang an“, schnauzte ihn der Dämon an. Peter nahm mit beiden Händen eine der schweren Steinschüsseln und hob sie in den mit Wasser gefüllten Trog. Der Dämon hielt ihm eine Bürste hin und sagte: „Sauber machen und wehe, ich bin mit deiner Arbeit nicht zufrieden, wenn ich Nachschau halte.“ Peter nahm die Bürste und der Dämon ging. Nun versuchte Peter die grob gehauenen rauen Steinschüsseln so schnell wie möglich zu säubern, was nicht so ganz einfach war. Als er die zwanzigste Steinschüssel gewaschen hatte, schaute er sich vorsichtig um. Da und dort standen Seelen und machten ihre Arbeit. Aber keiner beachtete den anderen. Dämone gingen umher und überwachten alles. Nicht der kleinste Fehler entging ihnen und wurde sofort mit Schlägen bestraft. Die fertigen Gerichte rochen für Peter nicht sehr gut, aber die Dämonen fanden sie vorzüglich und sie kosteten dort und da aus den großen Töpfen.
 
Viele Stunden wusch Peter ab. Er war bereits so erschöpft, dass er Angst hatte, das seine Schwäche bemerkt würde. Da kam ein Dämon und blieb vor ihm stehen und schaute zu, wie Peter die letzte Steinschüssel abwusch. Peter getraute sich nicht hoch zu schauen. „Na, geht ja, es ist genug“, sagte der Dämon und schliff Peter zurück in seine Kammer. Peter lag am Boden. Sein schwacher Seelenkörper schmerzte ihn und er hatte keine Kraft mehr. „Ich halte das nicht durch, das schaffe ich auf Dauer nicht. Und sterben kann ich auch nicht, denn ich bin ja schon tot. Hauptsache, ich werde nicht auffällig. Hoffentlich will mich der Teufel nicht sehen und ihm genügen die Berichte über mich. Am liebsten wäre mir, er würde auf mich vergessen, aber das wird er nicht. Wann ist der Jüngste Tag? Wie werde ich da wohl beurteilt, bei dem Schwachsinn, den ich geredet habe. Wie viele Steinschüsseln muss ich da wohl noch abwaschen bis dahin“, dachte Peter. Er schaute auf seine Pulsuhr und tippte mit dem Finger auf das Glas: „Die ist nass geworden, ist auch egal, sie funktioniert sowieso nicht, ich habe keinen Puls mehr.“ Peter hatte Angst und horchte auf die Schreie am Gang.
 

Sandra Pflugbeil
 

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